Autofreie Stadt: Irre Utopie oder nahe Zukunft?


September 22, 2021
Was wäre, wenn du auf der Ringstraße picknicken könntest? Die Idee der autoarmen oder gar autofreien Stadt ist radikal. Und für Liebhaber des eigenen Autos besonders unbequem. Ist sie bald Wirklichkeit?

Zum Autofreien Tag am 22. September wollen wir wissen, was die Liebe zum eigenen Auto mit Sex zu tun hat und wie Mobilität in unseren Städten laut Zukunfts- und Verkehrsforschern aussehen wird.

Autofreier Tag am 22. September 2021

Der europaweite autofreie Tag soll möglichst viele Menschen dazu motivieren, das eigene Auto mal bewusst stehen zu lassen. Und ist eine gute Gelegenheit, über das eigene Mobilitätsverhalten nachzudenken.

Auch Mitglieder der ELOOP-Community machen beim Autofreien Tag 2021 mit:

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41 Prozent der ELOOP-Community möchte am 22. September auf das eigene Auto verzichten. 25 Prozent sind sich noch unschlüssig. Die restlichen 34 Prozent geben dagegen an, dass sie nicht auf das eigene Auto verzichten werden.

Autofreie Stadt: Mehr Platz, weniger Lärm

Von City-Maut über Umweltzonen bis Zufahrtsbeschränkungen: Die Bemühungen europäischer Städte sind groß, das urbane Leben autoärmer zu machen. Pariser werden sich bis 2022 weitestgehend ohne Individualverkehr in der Innenstadt bewegen. Also auch ohne eigenes Auto. Auch Oslo ist bereits weitestgehend autofrei. Auf kurz oder lang wird sich die Mobilität in allen großen Metropolen in diese Richtung verändern. 

Mehr Lebensqualität, bitte! Wir wollen mehr Platz zum Leben, weniger Lärm und reinere Luft. Auch Entschleunigung steht ganz oben auf unserer Wunschliste. Wir wollen endlich wieder saubere Luft in unsere Lungen pumpen, wenn wir außer Puste nach einem Lauf über den Ring oder die Neubaugasse rennen.

Alles nur nerviges Öko-Gefasel? Das findet ihr nicht! 

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Zwei Drittel (66 Prozent) der ELOOP-Community geben an, mindestens manchmal durch die Autos in der Stadt gestresst zu sein. Das größte Manko ist für euch der Platzverbrauch, gefolgt von Lärmbelastung (29 Prozent) und Luftverschmutzung (28 Prozent).

Auch langfristige Umweltziele sind dringende Gründe für Maßnahmen wie die Feinstaub-Plakette oder Einfuhrverbote. So soll dem Ausstoß von Treibhausgasen etwa mit emissionsärmeren oder -freien Alternativen wie elektrisch betriebenen Fahrzeugen Einhalt geboten werden.

Täglich brettern 200.000 Autos über die Praterbrücke

Zur Verkehrsberuhigung werden in Wien seit 2013 Bewegungszonen geschaffen. Im Sommer 2020 kam auch die Rotenturmstraße hinzu. Hier gibt es seitdem mehr Platz für Fußgänger und es gilt für Autos ein Tempolimit von 20 km/h.

Trotzdem brettern täglich mehr als 200.000 Autos über die Praterbrücke – als gäb’s kein Morgen mehr! Ursprünglich wurde die Brücke für 45.000 Autos konzipiert.

Laut Statista waren in Wien 2020 über 700.000 private Pkw’s zugelassen, davon sind die meisten in Donaustadt zu Hause. Sie alle brauchen immer mehr Platz und prägen das Stadtbild. Prachtstraßen, bedeutende Plätze und Denkmäler werden durch asphaltierte, stark befahrene Straßen entwertet.

Anzahl der Autos in Österreich steigt kontinuierlich

Das eigene Auto ist für die meisten immer noch das wichtigste Element der individuellen Mobilität. Nicht selten stehen gar mehrere Autos pro Haushalt zur Verfügung.

In den letzten 60 Jahren stieg die Anzahl der Privatautos in Österreich fast kontinuierlich an: Mit knapp über 404.000 privat zugelassenen Pkw’s im Jahre 1960 gegenüber mehr als 5.09 Millionen hat sie sich mehr als verzwölffacht.

Immer mehr Autos bedeutet auch: Immer mehr Platzverbrauch, Lärm und Abgase.

Eigenes Auto verkommt vom Fahr- zum Stehzeug

55 Prozent der ELOOP-Community sind Eigentümer eines privaten Pkw’s. Doch wird das eigene Auto überhaupt regelmäßig genutzt?

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18 Prozent schmeißen ihren Motor lediglich einmal pro Woche an. Ein Viertel der ELOOP-Community nutzt ihr Auto sogar noch seltener.

Das eigene Auto fristet damit bei vielen die meiste Zeit als Stehzeug sein Dasein. Im Schnitt steht das Privatauto übrigens täglich ganze 23 Stunden. Die Kosten für Versicherung, Steuer und Co. laufen dabei die ganze Zeit weiter. Eigentlich Wahnsinn, oder?

Parken, aber wo?

Deutsche verschwenden im Schnitt 41 Stunden jährlich mit der Parkplatzsuche. Für Vollzeitbeschäftigte entspricht das einer kompletten Urlaubswoche.

Egal ob auf öffentlichen oder privaten Parkflächen: Damit das Auto stehen kann, wird wertvoller Platz verschwendet. Platz, der gerade in urbanen Räumen wie Wien rar und teuer ist. Nicht selten kostet ein Garagenstellplatz über 100 Euro monatlich. Ein ganzer Batzen Geld, der auch anderweitig in die individuelle Mobilität gesteckt werden könnte.

Gefühlte Wahrheit: Was kostet das eigene Auto wirklich?

Laut einer im Fachmagazin Nature im April 2020 veröffentlichen Studie unterschätzen Autofahrer massiv, wie viel Geld sie das Autofahren wirklich kostet. Und zwar um mehr als 50 Prozent.

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Die 6.000 Befragten lassen gefühlt nur 204 Euro pro Monat für den eigenen fahrbaren Untersatz springen. Tatsächlich kostet der Unterhalt des eigenen Autos aber im Schnitt 425 Euro.

Versteckte externe Kosten für Autos extrem hoch

In der obigen Rechnung sind die externen Kosten noch nicht einmal einkalkuliert. Dazu zählen die nicht immer unmittelbar sichtbaren Kosten. Sie ergeben sich etwa aus Unfällen, Klima- oder Gesundheitsschäden. Zum Beispiel durch Schadstoff- und Lärmbelastung.

Den Hauptteil der versteckten Kosten aus dem Verkehr sehen Experten in Klimaschäden. Deshalb stehen bei der Suche nach fairen Mobilitätslösungen vor allem klimaverträgliche Services wie E-Carsharing im Fokus.

Verglichen mit anderen Verkehrsmitteln sind die externen Kosten von Autos extrem hoch:

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Nach Berechnungen des VCÖ – Mobilität mit Zukunft belaufen sich die externen Kosten für Pkw’s im Jahr 2020 in Österreich auf 12,1 Mrd. Euro. Demgegenüber verursachte der Busverkehr lediglich 0,4 Mrd. Euro. Die Kosten für die elektrische Bahn liegen bei 0,8 Mrd. Euro.

Weitere negative Effekte aus dem Individualverkehr mittels Pkw nehmen wir meist gar nicht wahr. Zum Beispiel wie sehr die hohe Dichte an Pkw’s auch Landschaften und Stadtbilder prägt. Wo Straßen und Parkflächen Raum einnehmen, gibt es weniger Platz für Grünflächen.

Nach Analysen des VCÖ wurde in Österreich seit 1990 eine Fläche der Größe Wiens für den Verkehr versiegelt. Wusstest du, dass 90 Prozent aller Verkehrsflächen auf die Kappe des Straßenverkehrs gehen? Dafür müssen regelmäßig ganze Ökosysteme weichen. Die externen Kosten hierfür sind kaum abzuschätzen. 

Doch warum trennen wir uns nicht von unseren teuren, viel zu selten genutzten Autos? Möglicherweise liegt das an der sehr engen Bindung, die manch einer zum eigenen Auto hat.

Liebe zum eigenen Auto wirkt wie Sex und Kokain

Wer sein eigenes Auto hegt und pflegt, entwickelt oft eine sonderbar emotionale Beziehung zu seinem Gefährt. Laut einer Studie der Soziologin Christa Bös von der Freien Universität Berlin aktiviert die Liebe zum Auto die gleichen Belohnungszentren im Gehirn wie Sex oder der Konsum von Kokain, nämlich den Nucleus accumbens im Vorderhirn. Wir können alles lieben.

Das erklärt auch, weshalb einige Autobesitzer kaum Kosten, Zeit und Energie scheuen. Beziehungen möchten schließlich gepflegt werden. Mit regelmäßigen Inspektionen, Reifenwechseln und Reparaturen ist es dabei oft nicht getan. Ist die Felge zerkratzt, muss eine neue her.

Oft geht es gar so weit, dass die Fahrt in die Waschstraße länger dauert als die eigene Körperpflege. Manch einer neigt auch dazu, sein Auto zu vermenschlichen, indem es einen Spitznamen bekommt.

Eigenes Auto als Freiheits- und Statussymbol

Für Frauen ist das Auto oft noch ein Zeichen individueller Autonomie, ein Symbol für die eigene Freiheit. Auch deshalb, weil sie viele Jahre nur zweitrangige Mitbenutzer des einzigen Familienautos waren. Für Männer ist dagegen die Außenwirkung des eigenen Autos tendenziell wichtiger, sie lieben ihr Statussymbol.

Doch sind wir wirklich noch so abhängig vom eigenen Auto wie wir denken? Schließlich wächst das Angebot nachhaltiger Mobilitäts-Services besonders in Großstädten wie Wien.

Junge Menschen scheinen sich jedenfalls gar nicht erst in die Idee des eigenen Autos zu verlieben. Für sie zählen neue Werte.

Entliebt: Eigenes Auto für Generation Z weniger wichtig

Das eigene Auto hat für die Generation Z (ab 2000 geboren) längst nicht den gleichen Stellenwert wie für ihre Eltern, besonders im urbanen Umfeld. Viel seltener ist ein Auto für junge Menschen noch Statussymbol. Selbst als Gebrauchsgut ist es oft nicht mehr der Favorit neben Alternativen wie Carsharing-Angeboten.

Im Rahmen einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) gaben nur knapp über ein Drittel der in Städten lebenden Befragten unter 25 Jahren an, dass ein eigenes Auto für sie mindestens „wichtig“ ist. Zum Vergleich: Unter den Befragten aller Altersklassen waren es 73 Prozent.

Neue Mobilitätsbedürfnisse: Flexibilität und Zeitersparnis

Das eigene Auto passt schlicht und ergreifend nicht mehr zu den Mobilitätsbedürfnissen junger Menschen. Im Alltag zählen für sie vorrangig Flexibilität, Zeitersparnis, geringe Kosten und sicheres Ankommen.

Klar, dass mit den veränderten Bedürfnissen auch das Interesse an neuen Konzepten wie Carsharing-Diensten wächst. Und das eigene Auto dafür weniger wichtig wird oder gar darauf verzichtet werden kann. Das bestätigt auch unsere User-Befragung:

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Zwei Drittel der ELOOP-Community kann sich grundsätzlich vorstellen, in der Stadt auf ohne eigenes Auto zu leben (76 Prozent), 12 Prozent sind sich noch unschlüssig. Nur die restlichen 12 Prozent schließen die Möglichkeit, das eigene Auto abzugeben, vorerst noch aus.

Urbane Mobilität wird autoärmer

Die moderne Stadt bleibt in Bewegung. Wie wir uns in ihr bewegen, wird sich aber radikal verändern.

Die Wende der Mobilität ist unumgänglich, meint der Mobilitäts- und Zukunftsforscher Stephan Rammler (Direktor am Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin). Für ihn hat das private Auto seine Halbwertszeit längst überschritten. In einem Interview erklärte er gegenüber Business Insider, dass „unser Kulturmodell mit Verbrennungsmotoren, selber besitzen und selber steuern nicht mehr diskutierbar ist“.

Bislang gibt es aber nicht überall genügend Alternativen zum eigenen Pkw. Im ländlichen Raum ist laut einer WIFO-Studie der eigene Pkw fast unumgänglich.

Anders in Metropolen wie Wien, Berlin oder München. Dort bietet das eigene Auto neben den zahlreichen Alternativen kaum mehr einen Vorteil. Im Gegenteil, wenn man an den täglichen Wahnsinn der Parkplatzsuche und den zweimal jährlich anstehenden Reifenwechsel denkt.

Wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird, hängt besonders vom Anforderungsprofil und den Wünschen der jüngeren Stadtbevölkerung ab. Deshalb wollten wir wissen, wie ihr in der Stadt mobil seid.

Mobilitätsmix: Wie bewegt ihr euch in der Stadt?

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Die ELOOP-Community setzt ganz klar auf einen Mobilitätsmix. Die Mehrheit der Alltagsstrecken wird von der ELOOP-Community in der Stadt mit den Öffis zurückgelegt. Für 23 Prozent ist das eigene Auto aber noch immer das Hauptverkehrsmittel, selbst in der Stadt.

Sharing Economy: Mobilität wird zum Service

Der Trend geht generell weg vom privaten Eigentum. Teilen wird ganz im Sinne der Sharing-Economy auch im Bereich Mobilität immer wichtiger. Wie sich Menschen fortbewegen wird damit sozialer.

Statt ein eigenes Auto zu haben, wollen wir lieber Services nutzen. Um Fahrzeuge nicht länger zu unterhalten, sondern zu fahren.

Experten wie Rammler wissen, dass junge Menschen lieber neue Mobilitätskonzepte wie Freefloating Carsharing nutzen möchten, anstatt in ein eigenes Auto zu investieren und sich zweimal im Jahr um den Reifenwechsel zu kümmern.

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89 Prozent der ELOOP-Community nutzt bereits Carsharing. Darunter 41 Prozent regelmäßig. Nur 11 Prozent nutzen nie Carsharing-Dienste.

Carsharing reduziert Autos in Städten

Sharing-Dienste sind als Ergänzung zu den Öffis ein wichtiger Hebel, um die Dichte an Autos in Städten zu reduzieren. Damit wir endlich wieder durchatmen können.

Dabei ist Carsharing eine Variante, die das Auto nicht komplett aus den Städten verbannt. Sie hilft aber dabei, dass Autos nicht länger den urbanen Raum beherrschen.

Menschen, die bei einem Carsharing-Anbieter angemeldet sind, fahren seltener mit dem eigenen Pkw und nutzen häufiger grüne Alternativen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsarbeit des Instituts für angewandte Ökologie.

Elektrische Carsharing-Modellen wie ELOOP haben dabei noch mehr positiven impact: Erstens fahren sie komplett lautlos und reduzieren so die Lärmbelastung noch stärker als Services mit Verbrennungsmotoren. Zweitens stoßen sie beim Fahren kein CO2 aus. Und wir alle haben Bock auf saubere Luft, oder etwa nicht?

Mobilitätswende: Bist auch du schon am Start?

Die Klimawende ist eines der drängendsten Ziele unserer Zeit. Doch was denkst du? Wie schnell kann sich ein Mix aus klimafreundlicheren Mobilitätslösungen durchsetzen?

Das hängt unserer Meinung nach nicht nur von den Anforderungsprofilen der Stadtbewohner und den angebotenen Mobilitätsmöglichkeiten ab. Denn diese werden maßgeblich durch politischen Entscheidungen und den öffentlichen Diskurs mitbestimmt.

Zeitgleich sehen wir natürlich auch uns und alle Unternehmen in der Verantwortung. Genauso wie jeden einzelnen. Also auch DICH.

Es kommt, wie es kommen muss, machen wir uns da mal nichts vor! Sharing-Modelle ersetzen schon jetzt viele private Fahrzeuge. Über kurz oder lang machen sie – gemeinsam mit Öffis und Co. – unsere Städte vielleicht nie komplett autofrei, aber immer autoärmer.

Die moderne Stadt bleibt in Bewegung. Nur smarter. Du auch?

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Quellen:


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